Es begann mit Kaffee und Kuchen – und einem Scheck, den ich nicht ablehnen konnte!

Es begann mit Kaffee und Kuchen – und einem Scheck, den ich nicht ablehnen konnte!

Warum ich diese Serie schreibe

Ich sitze an meinem Schreibtisch und schaue auf die Dinge, die sich im Laufe der letzten
Jahre angesammelt haben. Die Tourismus Krone 2024 steht da, ein bisschen verlegen
zwischen Papierstapeln und Notizen. Daneben die Urkunde zur Ehrung als „Innovator
2025″ der Deutschen Wirtschaft. Auf meinem Laptop sind noch die Plakate gespeichert
von den fünf Musik-Events, die ich letztes Jahr organisiert habe – Aaron English aus
Nashville, Gesse & Jenna aus den USA, Younger aus Wien, Wulli und Sonja aus unserer
Region.
Veranstaltungen. Ich, der nie Veranstalter war, der von Eventmanagement keine Ahnung
hatte, habe Musiker auf die Bühne gebracht, weil der IMpunkt Sichtbarkeit braucht. Weil
die Geschichte erzählt werden muss. Weil ich glaube, dass Musik Herzen öffnet und
Grenzen überwindet – auch wenn ich dafür Dinge tun musste, die mir völlig fremd
waren.

Ich bin noch immer die One-Man-Show. Einer, der aus purer Leidenschaft brennt, plant,
organisiert, umsetzt. Weil aufgeben keine Option ist. Weil das Projekt zu wertvoll ist –
das haben mir die ersten Brotkrumen gezeigt, die ich aufgesammelt habe, ohne zu wis-
sen, wohin sie führen. Das zeigen mir die Gesichter der Menschen, denen ich begegne.
Die Tränen der Erleichterung. Das Lachen der Freiheit. Die leise Dankbarkeit in den Au-
gen derer, die plötzlich wieder Teil von etwas sein dürfen.

„Niemand ist alleine. Niemand bleibt zurück.“ Das ist meine Parole
geworden. Nicht als Marketing-Slogan, sondern als Lebenshaltung. Seit
dem Tag, an dem ich verstanden habe, was diese Worte wirklich bedeuten.

Und trotzdem werde ich manchmal nachdenklich. Nicht verzweifelt, nicht hadernd – nur
still nachdenklich. Weil ich Erfolge manchmal gerne teilen würde, und niemand neben
mir steht. Weil ich in schwierigen Momenten stärkende Worte brauchen könnte, und
keine da sind. Weil sich keine echten Mitstreiter finden lassen, Menschen, die die Ans-
ätze erkennen und sagen: „Hier, lass mich mit anpacken.“ Manchmal frage ich mich, ob
es Neid ist. Aber worauf denn? Auf die vielen Stunden? Die Ungewissheit? Die Einsam-
keit dieser Reise?

Ich weiß es nicht.

Was ich aber weiß: Seit Jahren werde ich gefragt – von Journalisten, von Besuchern, von
Förderern, von neugierigen Passanten: „Martin, was IST der IMpunkt eigentlich?“ Und
jedes Mal merke ich, wie schwer es mir fällt, eine kurze Antwort zu geben. Nicht, weil
ich sie nicht kenne, sondern weil jede kurze Antwort die Geschichte verfälscht, ihr die
Tiefe nimmt, das Wesentliche überspringt.

Ein Tourismus-Unternehmen mit SCUTTLER-Touren? Ein Exoskelett Experience Center?
Ein Inklusionsprojekt in der Fränkischen Schweiz? Ja, das alles stimmt. Und gleichzeitig
stimmt es nicht. Es ist wie der Versuch, eine Symphonie in drei Worten zu beschreiben.

Denn wenn ich ehrlich bin: Ich hatte das alles nicht geplant. Ich bin kein Sozialunterneh-
mer, der mit einem ausgefeilten Businessplan und klarer Vision gestartet ist. Ich bin kein
Visionär, der eines Morgens aufwachte und dachte: „Ich werde die Zukunft der Inklusion
neu erfinden.“ Ich bin nicht einmal jemand, der mit dem Thema Behinderung aufgewach-
sen ist oder durch persönliche Betroffenheit einen natürlichen Zugang hatte.

Bis vor wenigen Jahren hatte ich überhaupt keinen Kontakt zu Menschen mit Behinde-
rung. Keinen einzigen. Null Berührungspunkte.

Was ich hatte, waren zwei Momente, in denen ich unglaubliches Glück hatte. Momente,
die mich hätten verändern sollen, es aber zunächst nicht taten. Und dann gab es einen
dritten Moment – einen, in dem mir jemand anderes keine Wahl mehr ließ.

Deshalb diese Serie. Nicht als Erfolgsgeschichte im klassischen Sinne, nicht als Anlei-
tung „So macht man es richtig“, sondern als ehrlicher Versuch zu zeigen, wie aus den
Brotkrumen eines Lebens ein Weg wird. Wie aus dem Wunsch, seiner Mutter die Natur
zu zeigen, ein Lebenswerk entstehen kann. Und warum „Niemand bleibt zurück“ mehr
ist als nur ein schöner Satz.

Fünf Teile. Fünf Sonntage. Die ganze, ungefilterte Geschichte.
Beginnen wir dort, wo sie wirklich ihren Anfang nahm – nicht mit einer großen Vision,
sondern mit einer Mutter, die Kaffee kocht.
Zwei Mal an der Grenze gestanden
Es gibt zwei Momente in meinem Leben, die mich fundamental hätten verändern sollen.
Momente, nach denen man eigentlich nicht einfach so weitermacht wie bisher. Und doch
tat ich genau das – zunächst jedenfalls.

Der erste war 1989. Ich war beim Paragliding, hoch über der Landschaft, das Gefühl von
Freiheit durchströmte mich – bis plötzlich etwas schiefging. Ich kann nicht mehr genau
sagen, was. Aber ich weiß noch, wie die Welt sich verlangsamte, wie jede Sekunde sich
dehnte und ich in dieser unwirklichen Zeitlupe den Boden näher kommen sah. 75 Meter.
Ein Absturz, der tödlich hätte enden müssen. In meinem Kopf war nur ein einziger klarer
Gedanke: Das war’s jetzt.

Und dann, im allerletzten Augenblick, öffnete sich der Fallschirm. Ich landete. Unver-
letzt. Wie durch ein Wunder.

Ich stand auf, klopfte mir den Staub von den Klamotten und lebte weiter, als wäre nichts
geschehen. Erst Monate später begannen die Alpträume. Nachts holte mich das ein, was
ich tagsüber verdrängt hatte – die Bilder, die Angst, das Bewusstsein, wie knapp es ge-
wesen war. Aber am Tag? Da funktionierte ich einfach weiter.

Der zweite Moment kam viele Jahre später, 2012. Ich wachte eines Morgens auf und
spürte, dass etwas nicht stimmte. Mein Arm reagierte nicht. Ich dachte zuerst, er sei
eingeschlafen, versuchte mich zu bewegen, aufzustehen – nichts passierte. Ein merk-
würdiges Schaukeln erfasste meinen Körper, und dieses Schaukeln weckte Alex, meine
Freundin. Ich wollte ihr sagen, dass etwas nicht stimmt, aber mein Mund gehorchte mir
nicht. Die Worte kamen schief, verzerrt heraus. Sie sah mich an, und ich erkannte in ih-
rem Blick sofort: Sie hatte verstanden, bevor ich es selbst wahrhaben wollte.
Notarzt. Stroke Unit. Drei Tage lang war ich rechtseitig gelähmt. Drei Tage, in denen ich
lernte, wie es sich anfühlt, wenn der eigene Körper zum Gefängnis wird. Und dann, wie-
der einmal: Glück gehabt. Mein Körper erholte sich. Die meisten Menschen sehen heute
nicht mehr, was geblieben ist. Nur die, die mich wirklich kennen, bemerken die kleinen
Dinge. Aber ich spüre es. Jeden einzelnen Tag.

Beide Male stand ich an einer Grenze. Beide Male hätte mein Leben eine andere Wen-
dung nehmen können – oder enden können. Und beide Male kam ich zurück mit dem
diffusen Gefühl, dass da eine Botschaft sein musste, eine Lehre, eine Bedeutung. Viel-
leicht haben mich diese Momente sensibler gemacht, empathischer, demütiger. Viel-
leicht haben sie mir gezeigt, wie dünn der Faden ist, an dem wir alle hängen, wie schnell
alles vorbei sein kann.

Aber der eigentliche Wendepunkt, der Moment, der alles ins Rollen brachte? Der kam
nicht durch mich. Der kam durch jemand anderen – durch die Frau, die mich großgezo-
gen hatte.
Muggendorf: Ein Traum aus Stein und Holz
Als Alex und ich 2018 nach Muggendorf in die Fränkische Schweiz zogen, kauften wir
kein fertiges Haus. Wir kauften einen Rohdiamanten, ein Projekt, eine Möglichkeit. Drei
Jahre lang arbeiteten wir an diesem Haus, formten es nach unseren Träumen und Vor-
stellungen, schufteten, planten, stritten uns über Farben und Materialien, lachten über
Fehler und feierten kleine Siege. Es war die beste Zeit. Nicht nur wegen des Hauses
selbst, sondern wegen dem, was es bedeutete: Das war unser Ort. Ein Zuhause, das wir
uns mit eigenen Händen erschaffen hatten.

Meine Mutter kam in dieser Zeit oft zu Besuch. Sie war stolz auf uns, das spürte ich in
jeder Geste, auch wenn sie nicht viele Worte darüber verlor. Sie war nie eine Frau gro-
ßer Reden gewesen. Aber ihre Augen sprachen Bände, wenn sie durch die Räume ging,
die langsam Gestalt annahmen.

Als wir endlich fertig waren, als der letzte Handgriff getan und die letzte Farbe getrock-
net war, wollte ich ihr die Fränkische Schweiz zeigen. Nicht nur das Haus, sondern das,
was drumherum lag – die Wälder, die schroffen Felsen, die versteckten Pfade, die Stille
zwischen den Bäumen. Diese unglaubliche, fast magische Natur, die direkt vor unserer
Haustür begann und sich in alle Richtungen erstreckte.

Wir saßen am Küchentisch, ich erzählte begeistert von den Wanderwegen, den gehei-
men Plätzen, die ich schon entdeckt hatte, von der Schönheit dieses Fleckchens Erde,
das nun unsere Heimat war. Meine Mutter hörte zu, lächelte, nickte. Und dann sagte sie,
ganz selbstverständlich, fast beiläufig:
„Geht ihr nur wandern. Ich mache derweil Kaffee. Der Kuchen ist fertig,
wenn ihr zurückkommt.“

Sie lächelte dabei. Kein bitteres Lächeln, kein vorwurfsvolles. Einfach nur ein Lächeln,
das sagte: So ist das eben.

Aber mir zerbrach in diesem Moment etwas. Nicht laut, nicht dramatisch, nur leise und
tief innen drin, dort wo man Dinge spürt, bevor man sie in Worte fassen kann. Meine
Mutter – die Frau, die mich großgezogen hatte, die immer für mich da gewesen war, die
sich gefreut hatte über jeden Schritt, den ich ging – konnte nicht mit. Nicht, weil sie nicht
wollte. Nicht, weil sie kein Interesse hatte. Sondern einfach, weil die Welt da draußen
nicht für sie gemacht war. Weil ihr Alter, ihre eingeschränkte Mobilität sie ausschlossen
von genau dem, was ich ihr so gerne zeigen wollte.

Ich dachte: Das ist doch absurd. Das kann doch nicht sein. Das muss anders gehen.
Der Prototyp: Eine Antwort auf einen Schmerz
Ich baute einen Offroad-Rollstuhl. Nicht als Geschäftsidee, nicht als geplantes Projekt
mit Marktanalyse und Businessplan. Einfach als Antwort auf einen Schmerz, den ich
nicht ignorieren konnte. Der Prototyp war roh, ungeschliffen, ein wildes Ding aus Metall
und Rädern und Antrieb. Aber er fuhr. Durch den Wald, über Wurzeln, durch Matsch,
dorthin, wo normale Rollstühle längst aufgegeben hätten.
Und dann passierte etwas, das ich heute als Fügung, als Zufall oder als Brotkrume be-
zeichnen würde – je nachdem, wie man die Dinge betrachten möchte. Der Fränkische
Tag, unsere Regionalzeitung, bekam Wind von meinem Projekt. Ein Journalist rief an,
kam vorbei, machte Fotos, schrieb einen Artikel. Nichts Großes, nur eine kleine Ge-
schichte auf den Lokalseiten über einen Mann, der einen Offroad-Rollstuhl baut.
Wenige Tage nach Erscheinen des Artikels klingelte mein Handy. Eine Nummer, die ich
nicht kannte.

„Hallo, mein Name ist Thorsten“, sagte die Stimme am anderen Ende. „Ich habe Ihren Ar-
tikel im Fränkischen Tag gelesen. Ich bin seit einem Motorradunfall querschnittsgelähmt.
Könnte ich Ihren Rollstuhl mal probefahren?“

Ich war nervös. Mein Herz schlug schneller, nicht aus Aufregung, sondern aus einer Art
Unsicherheit, die ich so nicht kannte. Bis zu diesem Moment hatte ich keinen direkten
Kontakt zu Menschen mit Behinderung gehabt. Ich wusste nicht, wie man richtig spricht,
ob es Dinge gibt, die man nicht sagt, ob ich mich irgendwie falsch verhalten würde. Aber
ich sagte: „Klar, komm vorbei.“
Eine Freundschaft entsteht
Thorsten kam. Wir trafen uns im Wald oberhalb von Muggendorf, wo die Wege steinig
werden und die Natur sich ihren Raum zurückholt. Er stieg in den Prototyp, ich erklärte
ihm die Steuerung, zeigte ihm die Hebel und Schalter, und dann fuhr er los. Ich stand da-
neben und beobachtete ihn. Er wirkte zunächst konzentriert, fokussiert auf die Technik,
aber dann, nach ein paar Minuten, veränderte sich etwas in seinem Gesicht. Eine Leich-
tigkeit trat ein. Als würde etwas von ihm abfallen, eine Last, die er so lange getragen
hatte, dass er sie schon nicht mehr bemerkt hatte.

Wir redeten nach der Probefahrt. Über den Rollstuhl natürlich, über technische Details,
Verbesserungen, Möglichkeiten. Aber wir redeten auch über anderes. Über das Leben,
über Träume, über das, was man verliert, wenn sich alles von einem Moment auf den an-
deren ändert – und über das, was trotzdem bleibt. Es war keine „Begegnung mit einem
Menschen mit Behinderung“ im klassischen Sinne, kein sozialpädagogisches Erlebnis,
kein Charity-Moment. Es war einfach eine Begegnung mit Thorsten – einem Menschen,
der gut erzählen konnte, der Humor hatte, der lebte. Intensiv lebte.

Wir wurden Freunde. Nicht von heute auf morgen, aber Schritt für Schritt, Begegnung
für Begegnung. Und dann kam der Tag, der alles veränderte. Der Tag, an dem ich ver-
stand, dass das hier nicht nur um meine Mutter ging. Dass das hier um etwas viel Grö-
ßeres ging.
Die Hütte im Wald
Wochen später rief der Fernsehsender NEWS5 an. Sie hatten von meinem Projekt ge-
hört und wollten einen kleinen Beitrag darüber drehen, eine dieser typischen Feel-
Good-Geschichten fürs Regionalfernsehen. Thorsten sollte den Rollstuhl fahren – er
kannte ihn mittlerweile gut, und außerdem war er ein Naturtalent vor der Kamera.
Wir waren im Wald oberhalb von Muggendorf. Das Kamerateam gab Anweisungen,
Thorsten fuhr seine Runden, alles lief glatt und professionell. Die Sonne fiel durch die
Bäume, der Waldboden duftete nach Moos und Erde, es war ein perfekter Tag für einen
Dreh.
Und dann sah ich sie: Eine alte, verfallene Holzhütte, versteckt zwischen hohen Bäumen
und dichtem Unterholz. Kein Weg führte dorthin, kein einziger Hinweis, dass dort je-
mand je gewesen war. Nur Moos, Wurzeln, Stille.
Ich hatte eine Idee. „Thorsten“, rief ich, „fahr doch mal da hin zur Hütte! Erkunde sie! Wie
Indiana Jones auf Entdeckungsreise!“ … Er grinste. Und rollte los.

Das Kamerateam folgte ihm mit der Kamera, ich stand ein Stück entfernt und war zufrie-
den mit der Szene, die sich da entfaltete. Aber dann wurde es still. Thorsten war an der
Hütte angekommen, aber er bewegte sich nicht mehr. Er saß einfach nur da, regungslos,
den Blick auf die alte Hütte gerichtet. Minuten vergingen. Niemand sagte etwas. Selbst
das Kamerateam hörte auf zu filmen und wartete einfach ab.

Und dann rollte Thorsten zurück. Langsam, fast zögerlich, als würde er aus einem tiefen
Traum erwachen. Als er bei mir ankam, sah ich sein Gesicht – und mir stockte der Atem.
Er weinte.
Nicht laut, nicht schluchzend, aber Tränen liefen ihm über die Wangen, und seine
Stimme zitterte, als er sagte: „Martin, du kannst dir nicht vorstellen, was das für mich be-
deutet. Wieder selbstbestimmt so tief in den Wald fahren zu können. Einfach… da sein.
Ohne dass mir jemand hilft. Ohne dass mir jemand sagt, wo ich hingehen darf und wo
nicht. Einfach frei sein.“

Ich hatte einen Rollstuhl gebaut, damit meine Mutter nicht alleine Kaffee trinken
muss, während wir wandern gehen. Aber in diesem Moment begriff ich: Das ist
nicht nur für meine Mutter. Das ist für alle, die draußen bleiben müssen. Für alle,
die zurückgelassen werden. Für alle, denen die Welt sagt: Hier ist deine Grenze.
Der Scheck, der mich in die Sackgasse manövrierte
Ich wollte weitermachen. Ich wollte wirklich. Aber ich konnte nicht. Wir hatten gerade
das Haus gekauft, mein Auto war kaputtgegangen und musste ersetzt werden, der Pro-
totyp hatte uns bereits Geld gekostet, das wir eigentlich nicht hatten. Ich stand vor einer
Wand.
Ich sagte zu Thorsten: „Ich kann nicht. Ich würde gerne, aber wenn ich jetzt noch mehr
Geld in das Projekt stecke, schmeißt mich Alex raus.“
Ich lachte dabei, halb im Scherz, halb im Ernst.
Thorsten lachte nicht. Er nickte nur, nachdenklich, verständnisvoll. Und ging.
Zwei Wochen später stand er wieder vor meiner Tür. In der Hand hielt er einen Spen-
denscheck.
„Meine Freunde und ich haben gesammelt“, sagte er ruhig, fast beiläufig. „Es ist nicht
viel. Aber vielleicht reicht’s für den Anfang.“

Ich starrte auf den Scheck. Er hatte recht – es war nicht viel. Ein Tropfen auf den heißen
Stein. Aber wenn ich diesen Scheck annehme, dann bin ich verpflichtet. Dann gibt es
kein Zurück mehr. Dann ist das hier kein Hobby mehr, keine private Bastelei für meine
Mutter. Dann ist das hier ein Versprechen.
Ich ging zu Alex und erzählte ihr alles. Fragte sie, was ich tun soll. Sie sah mich an, mit
diesem Blick, den nur Menschen haben, die einen wirklich kennen, und sagte: „Willst du
den Scheck etwa zurückgeben? Echt jetzt?“
In diesem Moment verstand ich: Thorsten hatte mich in eine Sackgasse manövriert.

Freundschaftlich, liebevoll, aber gnadenlos. Ich konnte nicht Nein sagen. Nicht zu ihm.
Nicht zu dem, was in diesem Wald passiert war. Nicht zu den Tränen, die ich in seinem
Gesicht gesehen hatte. Also sagte ich Ja.
Und so begann eine Reise, die bis heute andauert.
Die Idee erwacht
Der Prototyp wurde zum SCUTTLER 2.0. Die erste Tour fand statt. Dann die zweite. Dann
die dritte. Menschen meldeten sich, wollten mitfahren, erzählten ihre eigenen Ge-
schichten. Ich merkte schnell: Ein Rollstuhl allein macht noch keine Inklusion. Es
brauchte mehr. Es brauchte einen Ort. Einen Ort der Begegnung. Einen Ort, wo Men-
schen mit und ohne Behinderung nicht nebeneinander existieren, sondern miteinander
leben, erleben, lachen.
In meinem Kopf begann sich eine Idee zu formen, vage noch, unscharf, aber spürbar:
Was, wenn das hier nicht nur ein Tourismus-Ding ist? Was, wenn das hier ein Inklusions
Meeting Point werden könnte? Ein Ort, wo Teilhabe nicht theoretisch diskutiert, sondern
praktisch gelebt wird?
Ich hatte noch kein Team. Keine Mitstreiter. Keine Struktur. Nur eine Idee, die in mir
wuchs. Und die Gewissheit, dass ich den Brotkrumen weiter folgen musste.
NÄCHSTE WOCHE — TEIL 2
„Die Idee nimmt Gestalt an – wie aus einem Rollstuhl ein Meeting Point wurde“
Denn was als Lösung für meine Mutter begann und mit Thorstens Tränen zu etwas Größerem
wurde, sollte sich zu einem Ort entwickeln, an dem Menschen sich begegnen. Nicht als Helfer
und Hilfsbedürftige. Sondern als Menschen.

Wie fandest du den Beitrag?

Klicke auf ein Symbol, um anonym zu bewerten.