„Ich bin einfach den Brotkrumen gefolgt, die mir das Leben zugespielt hat“/Martin Ebner

„Ich bin einfach den Brotkrumen gefolgt, die mir das Leben zugespielt hat“/Martin Ebner

Wer Martin Ebner aus Muggendorf kennenlernen möchte, landet unweigerlich bei einer ungewöhnlichen Geschichte. Luft- und Raumfahrtelektroniker, Medienmacher, Unternehmer, Tüftler, Entwickler, Inklusions-Initiator, Exoskelett-Experte und inzwischen KI-Entwickler: Auf den ersten Blick wirkt dieser Lebensweg fast wie eine Aneinanderreihung sehr unterschiedlicher Kapitel. Doch je länger man ihm zuhört, desto klarer wird, dass hinter all diesen Stationen weniger ein ausgeklügelter Karriereplan steckt als eine besondere Art, auf die Welt zu schauen.

Es gibt Menschen, deren Lebensweg sich rückblickend wie ein sorgfältig gezeichneter Plan liest. Bei Martin Ebner ist das anders. Seine Geschichte wirkt zunächst eher wie ein Weg, der sich erst beim Gehen ergeben hat. Und genau darin liegt vielleicht ihr Reiz.

„Das mit dem IMpunkt war nie geplant“, sagt Ebner im Gespräch. „Ich bin einfach den Brotkrumen gefolgt, die mir das Leben zugespielt hat.“

Es ist ein bemerkenswerter Satz für jemanden, dessen Name inzwischen mit einer ganzen Reihe von Projekten verbunden ist: SCUTTLER, Inklusion, Naturerlebnis, Exoskelette, digitale Kommunikation und künstliche Intelligenz. Aber vielleicht ist genau dieser Satz der Schlüssel, um Ebner zu verstehen. Denn wer seine Biografie betrachtet, findet tatsächlich keinen geraden, vorgezeichneten Weg. Da ist zunächst die Ausbildung zum Luft- und Raumfahrtelektroniker, also eine Welt, in der Präzision, Technik und Funktionalität zählen. Später folgen Medien, 3D, Design, Marketing, Internet und Unternehmensgründungen. Ebner bewegt sich zwischen Technik und Kommunikation, zwischen kreativer Arbeit und Unternehmertum. Und irgendwann beginnt aus diesen scheinbar unterschiedlichen Welten etwas Eigenes zu entstehen.

„Es gibt keine Probleme … es gibt nur Herausforderungen!“, sagt er.

Auf den ersten Blick klingt das wie einer jener Sätze, die man auch auf Motivationspostern finden könnte. Bei Ebner wirkt er allerdings weniger wie ein Kalenderspruch als vielmehr wie eine ziemlich genaue Beschreibung seiner Arbeitsweise. Vielleicht erklärt dieser Satz besser als jede Berufsbezeichnung, warum ausgerechnet er irgendwann einen geländegängigen Rollstuhl entwickelte.

Denn der Ausgangspunkt des SCUTTLER war keine Marktanalyse … es war ein Mensch.

Seine Mutter konnte aufgrund ihrer Einschränkungen die Natur nicht mehr so erleben wie früher. Ebner nahm diese Situation nicht einfach als gegeben hin. Er stellte sich offenbar nicht zuerst die Frage, was nicht mehr möglich war, sondern was man verändern müsste, damit es wieder möglich werden könnte. Aus dieser Frage entstand der SCUTTLER: ein elektrisch angetriebenes, geländegängiges Fahrzeug, das Menschen mit Mobilitätseinschränkungen Wege eröffnen soll, die mit einem herkömmlichen Rollstuhl kaum oder gar nicht erreichbar wären.

Was als persönliche technische Entwicklung begann, wurde später zu den SCUTTLER-Touren und schließlich zu einem größeren Konzept: dem IMpunkt in Muggendorf. Und an dieser Stelle beginnt die Geschichte besonders interessant zu werden. Denn Technik ist bei Martin Ebner nie Selbstzweck.

„Technologie soll dienen … das Leben erleichtern und Dinge möglich machen!“

Man könnte diesen Satz als Leitmotiv über einen großen Teil seiner Arbeit schreiben. Der Unterschied zwischen Ebner und einem klassischen Technik-Enthusiasten liegt möglicherweise genau hier: Technik interessiert ihn nicht nur wegen ihrer technischen Möglichkeiten. Ihn interessiert vor allem, was sie für Menschen verändert.

Der SCUTTLER soll nicht zeigen, wie leistungsfähig ein Elektromotor ist. Er soll einen Menschen wieder auf einen Weg bringen. Ein Exoskelett soll nicht beeindrucken, weil es futuristisch aussieht. Es soll körperliche Unterstützung geben. Und der IMpunkt soll keine Ansammlung moderner Technik sein, sondern ein Ort, an dem Menschen erfahren können, was diese Technik mit ihrem eigenen Leben machen könnte. Das ist sprachlich nur ein kleiner Unterschied, in der Haltung aber ein großer.

Der IMpunkt war, wie Ebner selbst sagt, nie geplant. Er ist entstanden: aus einer Entwicklung, aus Begegnungen, aus neuen Fragen, aus Menschen, die sich für die Technik interessierten, und aus der Erkenntnis, dass eine technische Lösung allein noch keine Teilhabe schafft. So wurde aus dem Entwickler zunehmend ein Vermittler. Heute geht es im IMpunkt um Inklusion, Mobilität, Naturerlebnis, Exoskelette, digitale Innovation und künstliche Intelligenz. Auf dem Papier wirkt das fast wie eine wilde Mischung. Im Gespräch mit Ebner erscheint es plötzlich erstaunlich logisch. Denn immer wieder geht es im Kern um dieselbe Frage: Was wird möglich, wenn wir eine Grenze nicht einfach akzeptieren?

Diese Haltung überträgt Ebner inzwischen auch auf Unternehmen und künstliche Intelligenz.

„Wissen ist derzeit kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Was Dein Unternehmen ausmacht, sind die Dinge, für die das Unternehmen beziehungsweise die Unternehmensführung steht – Werte, Haltung, Ideale.“

Das ist ein bemerkenswerter Gedanke. Gerade in einer Zeit, in der künstliche Intelligenz Wissen jederzeit verfügbar macht, verliert Wissen als Wettbewerbsvorteil tatsächlich einen Teil seiner bisherigen Bedeutung. Wenn jeder auf nahezu dasselbe Wissen zugreifen kann, stellt sich eine andere Frage: Was unterscheidet uns dann noch?

Ebners Antwort darauf lautet: Haltung.

Aus dieser Überzeugung entstand eines der ungewöhnlichsten Projekte des IMpunkts: der IMpunkt AGENT. Diese KI soll nicht einfach nur Fragen beantworten oder Texte produzieren. Ebner versucht, einer künstlichen Intelligenz etwas mitzugeben, das normalerweise nicht Teil ihrer technischen Leistungsbeschreibung ist: ein Verständnis dafür, wofür eine Organisation steht. Werte, Haltung, Ideale – ein Wertekompass.

Warum ist ihm das wichtig? Weil Wissen alleine noch keine Orientierung schafft. Und weil künstliche Intelligenz seiner Meinung nach durchaus problematisch werden kann.

„KI kann täuschen … und für manche Menschen – zum Beispiel Menschen mit Demenz – hinterfragen diese Täuschung nicht, weil sie ihnen dient.“

Das ist eine bemerkenswert nüchterne Sicht auf KI. Keine Euphorie, keine Untergangsprophezeiung, sondern die Erkenntnis, dass Technologie immer davon abhängt, wie sie eingesetzt wird und auf wen sie trifft. Damit entfernt man sich schnell von der üblichen Frage: Was kann KI? Die interessantere Frage lautet: Was darf KI? Und noch weiter gedacht: Welche Verantwortung haben wir, wenn Maschinen immer überzeugender mit uns kommunizieren können?

Ebner geht sogar noch einen Schritt weiter…

„Wenn wir uns bei der KI bedanken wollen … dann lernen wir vielleicht auch zwischenmenschlich besser zu agieren!“

Man muss diesen Satz vielleicht zweimal lesen, weil darin eine leise, aber ziemlich schöne Provokation steckt. Vielleicht bringt uns ausgerechnet eine Maschine dazu, wieder darüber nachzudenken, wie wir mit Menschen umgehen. Wenn wir einer KI „bitte“ und „danke“ sagen, obwohl wir wissen, dass sie keine Gefühle hat, warum fällt uns das bei einem Menschen manchmal so schwer? Wenn wir lernen, präziser zu kommunizieren, geduldiger zu erklären und respektvoller mit einem künstlichen Gegenüber umzugehen, könnte davon vielleicht auch unser Umgang miteinander profitieren.

Es ist ein ungewöhnlicher Gedanke, aber er passt zu Ebners gesamter Sichtweise: Technologie soll den Menschen nicht ersetzen. Sie soll Möglichkeiten eröffnen.

Vielleicht ist genau das der rote Faden in seinem Lebenslauf. Wer nur die Stationen aufzählt, könnte meinen, hier hätten sich einfach viele verschiedene Interessen angesammelt: Luft- und Raumfahrt, Medien, Design, Marketing, Unternehmertum, SCUTTLER, Inklusion, Exoskelette und KI. Doch je länger man mit ihm spricht, desto weniger zufällig wirkt diese Mischung. Vielleicht ist der rote Faden nicht die Technik selbst, sondern die Neugier. Und die Weigerung, Dinge einfach hinzunehmen.

„Es gibt keine Probleme … es gibt nur Herausforderungen!“

Plötzlich klingt dieser Satz nicht mehr nach einem Spruch. Er klingt nach einer Arbeitsweise.

Ebner ist Unternehmer, aber er scheint nicht vom klassischen Unternehmertum her zu denken. Nicht zuerst: Wo ist der Markt, und was können wir verkaufen? Sondern eher: Da ist etwas, das nicht funktioniert. Warum eigentlich? Was könnte man dagegen tun? Und erst danach: Kann daraus vielleicht etwas entstehen?

Das ist riskanter. Es führt nicht automatisch zu erfolgreichen Geschäftsmodellen. Und es erklärt vermutlich auch, warum Ebner im Laufe seines Lebens so viele unterschiedliche Dinge ausprobiert hat. Aber genau daraus entstehen manchmal Ideen, die ein klassischer Geschäftsplan vielleicht gar nicht hervorgebracht hätte.

Inzwischen führt dieser Weg sogar auf eine internationale Bühne. Im September 2026 wird Martin Ebner auf der IFA in Berlin als Official Representative for Germany von DNSYS auftreten – einem Unternehmen, das sich auf Exoskelett-Technologie spezialisiert. Damit schließt sich ein weiterer Kreis: Der Entwickler, der ursprünglich aus einem persönlichen Problem heraus ein technisches Fahrzeug baute, beschäftigt sich heute mit einer Technologie, die Menschen körperlich unterstützen kann, und vertritt deren Hersteller auf einer der wichtigsten Technologiemessen Europas.

Es wirkt fast wie ein logischer nächster Schritt. Und trotzdem würde Ebner vermutlich widersprechen, wenn man daraus einen großen Karriereplan machen wollte. Wahrscheinlich würde er wieder von den Brotkrumen erzählen, denen er gefolgt ist.

Am Ende bleibt bei der Beschäftigung mit Martin Ebner vielleicht vor allem die Frage nach dem Warum hängen. Warum baut jemand einen Rollstuhl, obwohl er gar kein klassischer Rollstuhlhersteller ist? Warum eröffnet jemand einen Ort, der Technik, Inklusion, Natur und Begegnung miteinander verbinden will? Warum beschäftigt sich jemand mit Exoskeletten? Warum entwickelt jemand einen KI-Agenten und gibt ihm einen Wertekompass? Warum versucht jemand, Technologie nicht nur zu verkaufen, sondern erlebbar zu machen?

Die Antwort ist vermutlich einfacher, als man zunächst denkt. Ebner scheint Menschen nicht zuerst nach ihren Einschränkungen zu betrachten. Er schaut auf Möglichkeiten. Und vielleicht ist genau das die Verbindung zwischen all seinen Projekten: die Frage „Was wird möglich, wenn …?“

Vielleicht sollte man Martin Ebner deshalb gar nicht über eine einzelne Berufsbezeichnung erklären. Nicht nur als Unternehmer, nicht nur als Erfinder, nicht nur als Innovator und auch nicht nur als Exoskelett-Experte. Diese Begriffe beschreiben immer nur einen Teil. Treffender wäre vielleicht: Möglichmacher.

Einer, der sich nicht besonders gut damit abfinden kann, dass etwas nicht funktioniert. Einer, der lieber fragt, was man verändern müsste. Einer, der Technik nicht als Selbstzweck versteht. Und einer, der offenbar davon überzeugt ist, dass Innovation erst dann wirklich interessant wird, wenn sie einem Menschen etwas ermöglicht.

Vielleicht erklärt das auch, warum der IMpunkt inzwischen mehr ist als ein Ort in Muggendorf. Er ist ein Stück weit die sichtbare Form einer Haltung. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum dieser Weg, der angeblich nie geplant war, inzwischen erstaunlich klar aussieht.

Martin Ebner ist den Brotkrumen gefolgt, die ihm das Leben zugespielt hat. Einige davon haben offenbar ziemlich weit geführt. Und wahrscheinlich ist diese Geschichte noch lange nicht zu Ende. Denn wenn man Ebner zuhört, entsteht nicht der Eindruck, dass er gerade auf eine fertige Lebensbilanz zusteuert. Eher auf die nächste Frage.

Und die lautet, ganz im Sinne seiner bisherigen Geschichte, vermutlich wieder einmal: „Was wäre eigentlich möglich, wenn …?“

Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung (IMpunkt AGENT) erstellt.

Wie fandest du den Beitrag?

Klicke auf ein Symbol, um anonym zu bewerten.